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Wildkatze in Vogtland

wildkatze

Für Wissenschaftler und Naturfreunde ist die Sensation perfekt: Über 100 Jahre nach ihrer letzten Sichtung ist die Wildkatze nach Sachsen zurückgeschlichen. Im Vogtland wurde erstmals ein totes Exemplar entdeckt.

Ein scheuer Waldbewohner stand gestern im Rampenlicht: Im Natur- und Umweltzentrum des Vogtlandkreises in Oberlauterbach haben Experten eine sächsische Wildkatze präsentiert. Es handelt sich um den ersten Fund eines toten Tieres seit der Ausrottung von Felis silvestris in der Region im 19. Jahrhundert.

Der junge Kater (Jägersprache Kuder) war am 10. April an der Bundesstraße 169 nahe Bergen von einem Waldarbeiter entdeckt worden. „Das sind fachlich versierte Leute, der Fund wurde sofort weitergemeldet“, berichtete Karin Hohl, Leiterin des Nuz. Der Kater wurde kurzzeitig eingefroren und kam nur Tage später nach Dresden zu Clara Stefen von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen, die ihn seitdem nicht mehr aus den Augen lässt. Eilig wurde das wertvolle Tier untersucht. Fazit: Die Wildkatze erobert Sachsen zurück.

Im Wald praktisch unsichtbar

Von der Hauskatze unterscheidet sich ihr wilder Vetter unter anderem durch einen buschigen und stumpf endenden Schwanz mit dunklen Ringeln, ein braun-ocker gefärbtes Fell, einen kürzeren Darm und ein größeres Hirn. Im Wald sind Wildkatzen praktisch unsichtbar, selbst erfahrene Jäger bekommen sie lebend so gut wie nie zu Gesicht. Mit Fotofallen und Lockstöcken spüren Wissenschaftler ihnen in Westsachsen seit Jahren nach. Haare konnten 2009 in Pirk und 2010 im Werdauer Wald entdeckt werden – nun krönt der Fund des tragisch ums Leben gekommenen Katers die Suche.

Die Rückkehr der Wildtiere nach Sachsen zeigt nach Ansicht von Expertin Clara Stefen den Erfolg der rigorosen Schutzmaßnahmen in ganz Deutschland. In letzter Zeit waren verstärkt Wildkatzen-Populationen in der Eifel, Bayern und Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen nachgewiesen worden. Aus dem Nachbar-Bundesland sind die immer noch stark bedrohten Raubtiere nun offenbar wieder in ihr ursprüngliches Gebiet hinübergewechselt. „Sie brauchen vermutlich nicht unbedingt große, zusammenhängende Wälder, sondern vielmehr eine abwechslungsreiche Landschaft mit Bereichen, die Deckung geben, sowie offene Flächen wie Wiesen, auf denen sie ihre bevorzugte Beute, nämlich Feldmäuse, finden können“, so die Senckenberg- Wissenschaftlerin.

Der vogtländische Landrat Tassilo Lenk (CDU) betrachtet die Rückkehr der Wildkatze „als Erfolg der intensiven Naturschutz-Arbeit des Landkreises“. Es werde bewiesen, dass Natur- und Landschaftsschutz und die Nutzung der Ressourcen nebeneinander möglich seien. Das Engagement des Kreises für die Natur zeige sich auch beim Schutz von Flora und Fauna im ehemaligen Todesstreifen an der deutsch-deutschen Grenze, dem „Grünen Band“.

Verbleib des Katers noch offen

Unklar ist, wie es mit der Sensations-Wildkatze weitergeht. Der zuständige Jagdpächter, dem sie zunächst gehörte, hat sie dem Vogtlandkreis geschenkt. Landrat Lenk ließ Vorbehalte gegen eine vorschnelle Abgabe nach Dresden erkennen. Während die Wildkatzen nun als wertvolle Bereicherung des Waldlebens gelten, waren sie jahrhundertelang als Schädlinge verrufen und wurden massiv bejagt. Die letzten Abschüsse von sächsischen Wildkatzen soll es 1848 in Langenreinsdorf und 1850 in Rußdorf, beides bei Crimmitschau, gegeben haben. Die allerletzte Sichtung wird für 1907 aus Bösenbrunn im Vogtland verzeichnet. Seitdem gab es ein Jahrhundert lang keine Spur – bis erst Haare und dann der tote Kater auftauchten.

 

FP 26.05.2011
Text - Bernd Appel
Foto - Joachim Thoß

© Natur- und Umweltzentrum Vogtland e.V.